08Februar
2015

Was bleibt? - Letzte Gedanken zu Madagaskar

Was bleibt von einer spannenden Zeit?

  

Wir weilen inzwischen schon 20 Tage nicht mehr auf Madagaskar und sind nach einer zweiwöchigen Südafrika-Rundreise wieder wohlbehalten im kalten Deutschland angekommen. Dennoch gibt’s noch ein letztes Mal, um die gewonnen Eindrücke Revue passieren zu lassen und zusammenzufassen, etwas von uns zu lesen.

Unsere frisch abgeschlossene Rundreise durch Südafrika, der kulturell und technologisch wohl westlichste und modernste Fleck Afrikas, lassen uns eine Tatsache noch einmal in aller Deutlichkeit klar werden:

Madagaskars Land und Leute sind eine einzigartige Erfahrung, die in puncto Andersartigkeit zu unserer westlichen Welt sicher nur wenige Konkurrenten auf dieser Erdkugel fürchten muss. Oder um es anders auszudrücken: Südafrika erschien uns in fast allen Belangen deutlich näher an Europa, als an dem Afrika, das wir in Madagaskar kennen lernen durften.

 

Was aber bleibt von der Erkenntnis, dass Madagaskar in jeder Hinsicht eine andere und fremde Welt zu sein scheint?

Zum einen wurde uns durch unseren Besuch unmissverständlich klar gemacht, in welch einer privilegierten Situation wir uns befinden. Aufgewachsen in einem Land, in dem Bildung, ärztliche Versorgung und ein hoher Lebensstandard in allen Belangen zu den alltäglichen Grunddisziplinen gehören. Ausgestattet mit der Chance auf Karriere und ein gesichertes Einkommen waren wir drei in der Lage, eine 3,5-monatige Reise zu weit entfernten Destinationen anzutreten – ohne, dass jemand von uns abseits von Nebenjobs und einer Ausbildung schon einmal ordentlich Geld verdient hätte. Die Absurdität dieser glücklichen Situation wurde uns in aller Deutlichkeit erst durch den krassen Gegensatz zu unseren Studenten bewusst. Fälle, in denen Eltern ihre Kinder nicht unterstützen können oder wollen, sind alles andere als die Ausnahme. Allein diese Erfahrung hat, so kitschig es klingen mag, eine große Dankbarkeit in uns hervorgerufen. Für die Chancen, die uns unser Heimatland, unsere Gesellschaft und vor allem auch unsere Eltern bieten können.

 

Kurzum, wir können uns glücklich schätzen. Vielleicht sogar glücklicher als die Madagassen? Sind wir glücklicher als die Madagassen? Fragen, die uns oft beschäftigt haben und auf die wir für uns die ebenso klischeebehaftete wie wahre Antwort gefunden haben, dass Geld allein eben doch nicht glücklich macht. Bewiesen durch unzählige arme, aber strahlende Madagassen, denen wir überall begegnet sind. Menschen, die fernab von dem Streben nach Luxusgütern mit den einfachen Dingen, die sie für das Leben brauchen, zufrieden sind. Spätestens nachdem wir auf einer Reise in einem spontanen Gesangs- und Tanzwettstreit mit unserer Bootsbesatzung kläglichst versagt hatten, wurde uns klar, dass wir in puncto Lebensfreude einiges von den Madagassen lernen können. Eine Erkenntnis, die zwangsläufig auch alle kategorisierenden Einteilungen in arm und reich sowie glücklich und unglücklich mit einem Paukenschlag in Frage stellt und die uns noch weit über unsere Zeit auf der Insel hinaus beschäftigen und prägen wird.

 

Die madagassische Lebensfreude und Gelassenheit in allen Dingen (das Landesmotto heißt „mora mora“, frei übersetzt: immer mit der Ruhe) steht in krassem Kontrast zu der hektischen, produktivitätsoptimierten und erfolgsorientierten Umwelt unserer kalten Breitengrade. Der allgemeinen Entspanntheit auf Madagaskar zur Folge lautet dort die wohl unwahrscheinlichste Diagnose „Burnout“ – fraglich, ob sich ein Madagasse unter diesem Krankheitsbild überhaupt etwas vorstellen kann... In der Tat sieht man selten gestresste Menschen und nach oben gezogene Mundwinkel sind deutlich weiter verbreitet als nach unten gezogene Augenbrauen. Sind wir also auf dem Holzweg in unserer westlichen Gesellschaft? Auch das haben wir diskutiert. Die Gegenargumente sind schnell gefunden und wurden im ersten Absatz ebendieser Ausführungen zum Teil schon erwähnt. Ein auf dieser Welt einzigartiger Standard in Sachen Bildung und Gesundheit, nicht zu vergessen ein soziales Solidaritätssystem, plus, kaum einer würde darauf freiwillig verzichten: Unterhaltungsgüter in allen denkbaren Facetten.

Doch geht es überhaupt um einen solchen plakativen Vergleich? Um richtig und falsch, um (und das ist nicht rassistisch gemeint) schwarz-weiß-Denken?

Auch wenn wir zwischenzeitlich gewagt haben, mit der Fremde und dem komplett anderen Leben eines solchen Landes zu liebäugeln, sind wir letztendlich sehr froh wieder in einem der lebenswertesten Länder dieses Planeten zurück zu sein.

Weil wir wahrscheinlich einfach in diese Welt gehören. Und dennoch haben wir einiges in unserem Wertesystem hinterfragt und werden bei so manchem Urteil in unserem Leben an die in diesem faszinierenden Land gewonnenen Erfahrungsschätze zurück denken. Denn von einer Sache sind wir auf jeden Fall überzeugt:

Ein bisschen mehr „mora mora“, Zufriedenheit mit den einfachen Dingen des Lebens sowie ein Lachen in den meistmöglichen Situationen könnte uns allen gut tun.

 

In diesem Sinne bedanken wir uns bei allen, die unseren Aufenthalt auf Madagaskar möglich gemacht haben, sowie bei den vielen anderen, die unser Abenteuer über diesen Blog oder andere Kanäle verfolgt und unterstützt haben. Wer die Arbeit des Fördervereins „Zukunft Madagaskar“ für richtig und unterstützenswert hält, den wollen wir noch einmal dazu anregen eine Mitgliedschaft einzugehen oder dem Verein mit einem einmaligen Beitrag die Möglichkeit zu geben, Bildung in diesem spannenden Land zu ermöglichen und zu fördern. 

(Weitere Infos: www.zukunft-madagaskar.de; https://www.betterplace.org/de/organisations/zukunft-madagaskar)

 

Wir können Madagaskar allen empfehlen, die auf ihrer Reise Erlebnisse fernab von infrastrukturell überlastetem Massentourismus suchen, oder die einfach nur ein wunderschönes Land sehen und erfahren möchten.

Ein letztes Veluma von uns, 

Anna, Tabea & Florian

 

12Januar
2015

Time to say Goodbye - Unsere letzten Wochen an der ESSVA

Genau 87 Tage nach unserer Ankunft in Antananarivo, der Hauptstadt von Madagaskar, sitzen wir wieder in einem Hotelzimmer dieser pulsierenden Stadt und fangen langsam an zu begreifen, dass unsere Zeit in diesem faszinierenden Land so gut wie vorüber ist.

Heute morgen um 11 Uhr sind wir vom Gelände der ESSVA aufgebrochen, etwa eine Stunde später als geplant: Der Abschied von unseren Studenten und dem Staff der ESSVA zieht sich gegen Ende noch einmal hin. Emailadressen werden ausgetauscht, letzte organisatorische Belange geklärt und außerdem viele, viele Abschiedsfotos geknipst.

 

Dann sitzen wir auch schon im Auto Richtung Norden und lassen noch einmal die vergangenen Tage Revue passieren. Eins steht nämlich fest: Die letzten zwei Wochen unserer temporären Berufsepisode als freiwillige Gastdozenten in Antsirabe werden uns definitiv als ereignisreiche Zeit in Erinnerung bleiben.

Aber von vorne: Was war passiert?

Zunächst standen in all unseren Klassen kurz vor oder kurz nach den Weihnachtsferien die Klausuren an. Die Studiengänge Ecotourisme, Hotellerie & Restauration, Communication sowie Communication-Journalisme werden von uns auf Englisch und Deutsch mit Fragen zu fachspezifischen Themen sowie ihrem Wortschatz gequält.

Manch einer löst unsere Klausuren gekonnt und hinterlässt uns beim Korrigieren schmunzelnd-zufrieden am Küchentisch, aufgrund manch anderer Lösungsvorschläge klappt jedoch auch die ein oder andere Kinnlade auf die Brust und wir können uns gegenseitig dabei beobachten, wie wir kopfschüttelnd den Kühlschrank nach Frustessen absuchen.

Alles in allem sind wir allerdings durchaus zufrieden mit unseren Schützlingen. Die Meisten waren offensichtlich motiviert und die daraus resultierenden guten Noten führen zu grinsend-frohen Gesichtern bei unseren Studenten.

Kurz vor den auf jeder Seite wohl verdienten Weihnachtsferien war allerdings nicht nur Denkleistung von unseren Studenten gefragt. Vielmehr stand der letzte Tag des akademischen Jahres 2014 an der ESSVA ganz im Zeichen der körperlichen Ertüchtigung. Wir hatten beschlossen, ein Sportturnier für alle Studenten der Universität auf die Beine zu stellen.

3 Sportarten, 19 Teams und ca. 150 teilnehmende Studenten sind die nackten Zahlen eines erfolgreich abgelaufenen Sportnachmittags. In den Disziplinen Fußball, Volleyball und Basketball wurden zwischen den verschiedenen Studiengängen in einer Reihe spannender Partien die Sieger ausgespielt.

Zwar haben die madagassischen Athleten wenig Antrieb, unseren entworfenen Zeitplan einzuhalten (Vor jedem Spiel müssen mit viel Engagement und Geduld die Spieler der Mannschaften zusammengesucht werden: „Achso wir spielen jetzt schon?“), dafür ist die Stimmung während der gesamten Veranstaltung umso ausgelassener. So mancher verpasst aufgrund seines aus den Boxen schallenden Lieblingslieds schon mal den Anpfiff seiner Partie...

Auch der spätnachmittags einsetzende sintflutartige Regen kann die Begeisterung der Studenten nicht trüben. Als der Basketballplatz aufgrund akuter Stromschnellen unbespielbar wird, verlagert sich die Aufmerksamkeit der Massen komplett auf die dröhnenden Boxen. Durchnässt bis auf die Haut wird zu madagassischen Highspeed-Beats einfach weiter gefeiert.

Vor den Augen der kreischend anfeuernden Kommilitonen sowie einiger Professoren und Rektoren werden trotz einem offensichtlich eingeschnappten Wettergott in jeder Disziplin Sieger gefunden. Als Siegprämien bekommen die Teams Bälle, die wir als gelernte Nutzwertfetischisten für sinnvoller als Pokale halten.

 

Die Preise wurden den Teams am vergangenen Freitag bei der für uns stattfindenden Abschiedszeremonie überreicht, laut Gerüchten tauchen die dazugehörigen handsignierten Urkunden inzwischen mit einem Mindestgebot von 100€ bei Ebay auf J

Spaß beiseite, der eigentliche Anlass der Veranstaltung war durchaus ernster, wenn auch emotionaler Natur. Vor den Augen von mehreren hundert Studenten werden wir mit Dankesreden und vielen warmen Worten und Applaus verabschiedet. Als ganz besonders wird uns dabei eine auf deutsch vorgetragene Dankesrede einer Studentin in Erinnerung bleiben... Die uns entgegen gebrachte Dankbarkeit berührt uns nachhaltig, bei der französisch-englischen bilingualen Abschiedsrede von Tabea und Anna bricht das ein oder andere Mal eine Stimme weg... An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an die Studenten und die Administration der ESSVA für dieses warme „Au revoir“.

 

Weil Madagassen sicherlich wenig mit dem Begriff „polnischer Abgang“ anfangen können, sowie wir nach unserer erlebten tollen Zeit das Bedürfnis verspüren, uns auch gebührend zu verabschieden, laden wir am Nachmittag desselben Tages all unsere Studenten plus Professoren und Rektoren noch einmal in das Auditorium der Universität ein. Nachdem unser Event zunächst in typisch madagassischer Manier schleppend anläuft („meint ihr es kommt überhaupt jemand?“), wird unser auserkorener Partyraum letztendlich doch noch brechend voll und es entwickelt sich ein tanzender und lachender Studentenknäuel. Kurz haben wir Zweifel, ob unser ausgedachtes, ruhe- und ordnungsbedürftiges Spiel eventuell nicht ganz so zu der vorherrschenden Anarchie passt, dann legen wir einfach los und sind heilfroh, dass unsere Idee offensichtlich einschlägt wie eine Bombe.

Mit vier Gruppen (bestehend aus drei Studiengängen & den Professoren) spielen wir ein in Kategorien gegliedertes Wissensspiel, bei dem für verschieden schwere Fragen Punkte vergeben werden. Die Studenten sind Feuer und Flamme die Fragen richtig zu beantworten, gegenüber den Gegnern überwiegt vor allem Schadenfreude. Für besonderen Belustigung sorgen außerdem auf allen Seiten die Aufgaben der Kategorie „Spiele“, an dieser Stelle noch einmal großen Respekt für Ecotourisme und seine Zehn-Personen-Pyramide...

Den Sieg heimsen dennoch die immer cool gebliebenen Professoren ein, die vor allem mit Wissen über Madagaskar aber auch Deutschland ihre jüngeren Kontrahenten ausstechen konnten.

 

Den Abend dieses von Abschieden geprägten und dennoch sehr schönen Tages lassen wir mit einigen Studenten in unserer Wohnung und einem anschließenden Clubbesuch feucht fröhlich ausklingen.

Wir bedanken uns recht herzlich bei der ESSVA für die grandiose uns entgegen gebrachte Gastfreundschaft sowie eine tolle Zusammenarbeit und müssen zugeben, dass es uns sehr schwer fällt, all die neu kennen gelernten Menschen eventuell für immer hinter uns lassen zu müssen.

  

07Januar
2015

Weil Kinder ein Zuhause brauchen...

Nachdem sich bei allen der ganze Weihnachts- und Silvesterrummel hoffentlich wieder gelegt hat, gibt es einmal wieder ein paar Neuigkeiten von uns Dreien aus Madagaskar. Auch wir haben den Jahreswechsel gut überlebt, am Strand und bei 30°C hielt sich der Rummel jedoch zum Glück in Grenzen.

Meer und Sonne sollen aber heute nicht das Thema sein. Deshalb: Themenwechsel, kleiner Zeitsprung, zurück zur Bildung.

 

In der Woche vor Weihnachten brechen wir mit dem Taxi-Bus zu einer Halbtagesreise in das zentrale Hochland westlich der Hauptstadt Antananarivo auf. Der Grund:

Wir wollen in der Kleinstadt Miarinarivo einen Landsmann treffen.

Wir besuchen Stefan Büschelberger, der seit 11 Jahren für Gymnasiasten der Region ein in jeder Hinsicht beeindruckendes Projekt auf die Beine gestellt hat.

In ländlichen Regionen Madagaskars einen Zugang zu höherer Schulbildung zu haben, stellt für viele Schüler dieses Landes eine besondere Herausforderung dar. Gymnasien gibt es nur in größeren Städten, für viele Jugendliche aus kleineren Dörfern besteht deshalb nur eine Möglichkeit: Umziehen.

Da das Geld jedoch meistens mehr als knapp ist, leben diese jungen Menschen in Konsequenz oft zu mehreren unter sehr armen Bedingungen zusammen. Gesicherte Mahlzeiten, medizinische Versorgung oder Bildungsbetreuung sind deshalb für die Meisten leider Wunschdenken.

Rund um diese Notsituation engagiert sich Stefan Büschelberger an allen Ecken und Enden. Zur Zeit bietet er circa 90 Schützlingen eine gesicherte Unterkunft und Schlafmöglichkeit, eine Ganztagesbetreuung und täglich drei Mahlzeiten. Zur mittäglichen Schülerspeisung empfängt er insgesamt sogar 300 Schüler.

Für alle diese Kinder stellt die Hilfe von Stefan eine essentielle Stütze dar. Einer sehr großen Zahl wird der Zugang zu höherer Schulbildung durch ihn erst ermöglicht, vielen weiteren wird er enorm erleichtert.

(Infos zu der Ny Hary Organisation von Stefan Büschelberger: www.ny-hary.org)

 

Wir haben das Glück, diese bewundernswerte Arbeit von Stefan und die daraus resultierenden Strukturen 2 Tage lang live mitzuerleben. Anna singt und tanzt mit einer Gruppe älterer Gymnasiasten, Tabea kommt auf einem Rundgang durch die Zimmer mit einigen Mädels ins Gespräch und Flo spielt mit einer Horde kleiner Jungs in Dreck und Regen Fußball. Kurzum, wir mischen uns munter unter die Schüler und werden Zeugen einer großen Dosis Lachen und Lebensfreude.

  

Abends essen wir zusammen mit den Jugendlichen aus riesigen Töpfen Reis mit Beilagen und nehmen als Tagesabschluss an der allabendlichen Andacht teil, bei der alle 90 Schüler zusammen beten, singen und außerdem organisatorische Dinge besprochen werden.

Besonders beeindruckt sind wir von der überall vorherrschenden Disziplin und Organisation der Kinder untereinander. Statt pubertierendem Gequengel helfen sich die Schüler gegenseitig mit allem was zu tun ist, dabei nehmen die Älteren sowohl eine Art Vorbildfunktion als auch eine Rolle als Verantwortungsperson ein. Nirgendswo erleben wir Streit oder Chaos, alles scheint reibungslos zu funktionieren: Weil es die Jugendlichen so wollen. Weil sie dankbar zu sein scheinen, Teil dieses tollen Projekts sein zu dürfen. Jeder einzelne scheint sich seines Privilegs bewusst zu sein, es herrscht von klein bis fast erwachsen eine ungemeine Wertschätzung der Hilfe, die ihnen zuteil wird.

 

Die Zeit, die wir mit Stefan und den Kindern bei der Ny Hary Organisation verbracht haben, bestärkt uns erneut in der Ansicht, dass die bestehende Kooperation von NyHary mit Zukunft Madagaskar eine wertvolles Element unseres Fördervereins darstellt. Dank der Kooperation kann jährlich zwei von diesen tollen, dankbaren und motivierten jungen Menschen ein Vollstipendium für ein Studium an der Universität ESSVA in Antsirabe ermöglicht werden.

(Weitere Infos zur Kooperation unter www.zukunft-madagaskar.de)

 

Wir danken und gratulieren Stefan Büschelberger zu diesem in unseren Augen menschlich grandiosen Projekt, dass er trotz privater und geschäftlicher Steine in seinem Weg mit unvergleichlichem Herzblut und Engagement auf die Beine gestellt hat. Eine kleine Scheibe kann sich vielleicht jeder von seiner Einstellung abschneiden, wenn er sagt: „Ich ärgere mich nicht über das was andere versäumen zu tun, sondern helfe da wo ich kann, mit allem was ich habe.“

Auch erklärt er in einem anderen Gespräch, dass er sich nichts Sinnvolleres als dieses Projekt für sein Leben vorstellen könnte. Nachdem wir die Blicke in den Augen der glücklichen und zufriedenen Kinder bei einer seiner Ansprachen gesehen haben, können wir das sehr gut nachvollziehen.

 

13Dezember
2014

Kling Glöckchen Klingelingeling

Salama topko,

 

Sowohl in Deutschland als auch auf Madagaskar schreiben wir den dritten Advent und Weihnachten rückt unaufhaltsam näher. Dank meist circa 25 Grad und zumindest bisher keiner Spur von Schnee tun wir drei uns nachhaltig schwer zu begreifen, dass es tatsächlich mal wieder so weit sein soll.

Deshalb blieben wir auch misstrauisch, als uns der Studiengang HR (Hotellerie und Restauration) der ESSVA zu einem „Déjeuner sous le thème de Noël“ in das Restaurant der Uni eingeladen hatte.

Schon bald merken wir jedoch, dass vielleicht doch etwas dran ist an der angeblichen Vorweihnachtszeit. Stilecht empfangen uns die Studenten in rot-weißem Outfit, die gleichfarbige Zipfelmütze auf jedem Kopf räumt schließlich alle Zweifel aus: Wir sind tatsächlich bei einem waschechten Weihnachtsessen gelandet.

Drei sehr leckere Gänge später sind wir uns außerdem einig: Die Studenten können (trotz Stromausfall den halben Vormittag!) kochen. Vor allem die Entenbrust mit Beilage als Hauptgang hat es uns durchaus angetan. In diesem Sinne Danke an die Jungs und Mädels von HR!  

 

Die Tatsache, dass sich die stille und heilige Nacht in greifbarer Nähe befindet, bedeutet leider auch, dass sich unsere Zeit als Gastdozenten mit rasender Geschwindigkeit dem Ende nähert. Es liegen interessante und schöne Wochen als Professoren an der ESSVA hinter uns.

Mal eher spielerisch, mal ernsthaft haben wir versucht, den Studenten neue studienfachspezifische Vokabeln zu vermitteln und sie zudem dazu zu bewegen, so viel zu sprechen wie möglich. Dabei wurden teilweise anspruchsvolle Texte behandelt, aber auch dank Vokabel-Fussball mit viel Spaß der Wortschatz aufgemotzt.

An dieser Stelle auch ein großer Dank an Dreamworks, dank deren Kreativität wir die Möglichkeit hatten, mit circa 60 Studenten den heimlichen madagassischen Nationalfilm „Madagascar“ auf Englisch anzuschauen.

Auch die ein oder andere kleine Feierei mit unserern Studenten lassen wir uns nicht entgehen, der gemeinsame Clubbesuch war eindeutig ein Erfolgsmodell.

In der vergangenen Woche stand – back to serious – außerdem das diesjährige Kommissionstreffen der Stipendienvergabe an. Dank dem Förderverein „Zukunft Madagaskar“ werden jährlich ungefähr 60-70 Studenten an der ESSVA mit einem Stipendium gefördert was ihnen durch Abdeckung eines beträchtlichen Anteils der Studiengebühren das Studium an der ESSVA ermöglicht (weitere Infos zu Spendenmöglichkeiten und einer Mitgliedschaft: www.zukunft-madagaskar.de),. Diese Investition in Bildung bedeutet individuell eine unvergleichbare Chance auf einen gesicherten Lebensstandard und zudem können nur gut ausgebildete Köpfe dieses Land im Kollektiv voranbringen. 

Als Repräsentanten des Fördervereins vor Ort war es also unsere verantwortungsvolle Aufgabe, die zur Verfügung stehenden Gelder gemeinsam mit den Direktoren und Studiengangsverantwortlichen auf möglichst gerechte Art und Weise auf die Studenten zu verteilen. Dabei sind vor allem das Einkommen der Eltern, die Geschwisterzahl und die Note wichtige Kriterien. Allerdings wird jeder von 74 Fällen in unserer sechsstündigen Sitzung noch einmal individuell bewertet, weswegen wir letztendlich überzeugt sind, eine möglichst faire Verteilung erreicht zu haben.

Ansonsten läuft bei uns auf der Insel alles wunderbar und wir freuen uns auf eine weiterhin besinnliche Weihnachtszeit in der wir das Land noch weiter erkunden können.

 

Veluma und bis bald,

 

Anna, Tabea und Florian

02Dezember
2014

2 Organisationen - 1 Ziel: Ny Hary & Zukunft Madagaskar

Der Förderverein „Zukunft Madagaskar“ hat sich zum Ziel gesetzt, Studenten mit beschränkten finanziellen Mitteln durch die Vergabe von Stipendien ein Studium zu ermöglichen. Ein Teilprojekt dieser erfolgreich etablierten Förderung ist die Kooperation mit der „Ny Hary“ Organisation. Die 2004 von Stefan Büschelberger gegründete Organisation stellt Schülern aus ländlichen Familien und besonders armen Verhältnissen Wohnraum sowie vielfältig andere Unterstützung zur Verfügung. In einer gemeinsam arrangierten Kooperation werden seit 2012 jährlich zwei ehemalige „Ny Hary“ Schützlinge durch ein (Voll-)stipendium an der Universität ESSVA gefördert. Für die jungen Madagassen stellt dies eine großartige Chance dar, die sie mit großem Engagement und ehrgeizigen Zielen nutzen wollen.  

 

Um mehr über diese jungen Menschen und ihre Motivation zu erfahren, sowie im Fall der Fälle vor Ort Stellschrauben zur Problemlösung drehen zu können, hatten wir alle „Ny Hary“ Abgänger zu einem gemeinsamen Abendessen in unsere Wohnung eingeladen.

Bei dem traditionellen deutschen Gericht Spaghetti Bolognese sprechen wir in lockerer Atmosphäre über ihren familiären Hintergrund, ihre Motivation an der ESSVA zu studieren, sowie Ziele und Träume der Studenten.

Zwei Beispiele für die tolle Entwicklung der Stipendiaten sind unsere Gäste Rodin und David, die sich als erster Jahrgang der Kooperation aktuell in ihrem letzten Studienjahr und kurz vor ihrer Abschlussarbeit an der ESSVA befinden.

Als erste Geförderte der Kooperation zwischen „Ny Hary“ und dem Förderverein „Zukunft Madagaskar“ begannen sie im Oktober 2012 ihr Studium im Fach Gestion Management (BWL) mit den Fachrichtungen Rechnungswesen bzw. Marketing. Beide schlossen das erste Studienjahr als Jahrgangsbeste ab.

Große Zukunftspläne hegen ebenfalls beide. Während Rodin seine Zukunft in der Buchhaltung eines Unternehmens sieht, möchte David gerne eine eigene Fahrschule eröffnen. Die ESSVA half beiden dabei, Pläne zu schmieden und ihren Weg zu finden. Auch wir wünschen ihnen für ihr letztes Jahr an der ESSVA viel Glück und Erfolg und dass ihre Zukunftsvorstellungen in Erfüllung gehen werden.

 

Für uns war dieser gelungene Abend ein schönes und interessantes Event mit viel Spaß und gelungenem interkulturellem Austausch. Auch unsere Gäste zeigten sich sehr dankbar für die Einladung und unsere angebotene Unterstützung im Falle von Fragen und Problemen.

Zu beobachten, mit welcher Gewissenhaftigkeit und welcher Dankbarkeit für die eröffneten Chancen diese jungen Menschen ihr Studium bewältigen, zeigt uns einmal mehr, dass die Unterstützung dieser Madagassen eine tolle und wichtige Aufgabe ist, die nicht zu weit ausgebaut werden kann.

26November
2014

Der Weg ist das Ziel - Ein Dschungel-Abenteuer

Am vergangenen Wochenende war es aus unserer Sicht mal wieder an der Zeit, etwas das Land zu erkunden. Nachdem es das letzte Mal in Richtung Westküste Madagaskars ging, stand diesmal der Osten auf dem Plan. Eine 8-stündige Fahrt mit dem Buschtaxi brachte uns in die zweitgrößte Stadt der Insel, Fianarantsoa.

Am nächsten Morgen nehmen wir von hier eine von 2 funktionierenden Zugverbindungen Madagaskars, die uns nach Manakara an der Ostküste bringen soll. Als mitteleuropäische Studenten verfluchen wir zwar noch immer regelmäßig die unmenschlich frühen Uhrzeiten des hiesigen Reiseverkehrs, dennoch stehen wir ohne Meckern am nächsten Morgen um halb 7 an Bahngleis 1 (nicht, dass es mehr Gleise gegeben hätte) und steigen in das historisch anmutende Gefährt ein.

Der pro Richtung drei mal pro Woche fahrende Zug ist ein Schweizer Modell von 1918 und kriecht mit circa 20-30 Stundenkilometern durch das Hochland. Trotz dieser schwindelerregenden Geschwindigkeit benötigen wir letztendlich für die 163km Strecke 16! Stunden. Einige fragen sich vielleicht, warum man sich so etwas antut und zumindest manchmal rückt diese Frage auch in den äußersten Winkel unseres Bewusstseins.

Die Antwort ist dennoch schnell gegeben und kann wohl am besten mit Bildern belegt werden. Der Zug ist ein Panoramaexpress der allerfeinsten Sorte. Wir durchqueren Täler mit endlosen Reisfeldern, eine Bergkette mit atemberaubenden Blick und vor allem viel viel Dschungel. Grenzdebil starren wir in die wunderschöne Landschaft, die in gar nicht mal so Windeseile an uns vorbei fliegt. 

Ein weiteres Highlight sind die vielen Stops im Streckenverlauf. Sobald mehr als drei Hütten am Schienenrand auftauchen, halten wir und werden auch schon von der einheimischen Bevölkerung mit Essen erwartet. Meistens quälen wir unsere eingeschlafenen Füße aus dem Zug, teilweise erwerben wir auch einfach am offenen Fenster Obst, Kuchen und diverse frittierte Taschen und Rollen. Währenddessen werden in einen anderen Wagon unzählige Körbe mit Litschis und Bananen verladen, was je nach Station schonmal zwei halbe Stunden dauern kann.

Der Zug stellt für die Bewohner dieser Region ihre wirtschaftliche Überlebensgrundlage dar. Zum einen können sie ihre Waren an die zahlreichen Touristen verkaufen, zum anderen gelangen auf den (vor allem aus Reparationszahlungen (Deutschland --> Frankreich) des ersten Weltkriegs stammenden!!!) Gleisen Tonnen von Obst zum nächsten Markt und der dafür gekaufte Reis oder Anderes auf dem Rückweg in die eigenen vier Lehmwände.

Am späten Abend erreichen wir Manakara an der Ostküste, unsere spontane Hotelfindung ist kurz vor eintretender Panik noch erfolgreich und wir verbringen eineinhalb entspannende Tage am Strand. Dank einem ansehnlichen Salzwasser-Wellenbad, Kokosnüssen am Strand sowie frischen Calamari zum Abendessen fühlen wir uns pudelwohl und machen Urlaub vom Urlaub (schließlich schlauchen 16 Stunden Zugfahrt selbst so hartgesottene Teutonen wie uns).

Ein zehnstündiges Buschtaxi-Konzert französischen Raps beendet letztendlich am Folgetag um 1 Uhr nachts diesen eindrucksvollen Kurztrip, der sich landschaftlich sicherlich als neuer Chart-Leader feiern darf.

Veluma und bis zum nächsten Mal!

 

17November
2014

Wenn Feiern zum Ausdauersport wird...

Da Tabea, bis dahin unser alleiniges Küken, am Donnerstag ohne viel Eigenleistung die 24er-Marke erreicht hatte, fand freitags in unserem temporären Eigenheim eine Party statt. Da Feiern zu dritt leider wenig Spaß macht, hatten wir dazu einfach unsere Studenten eingeladen. Leider ist der Elektrizitätsgott am einzigen von uns zum Feiern auserwählten Abend auf einer ganz anderen Seite. Zwischen 18:00 und 23:00 Uhr gibt es keinen Funken Strom, wir behelfen uns mit Kerzen und vor allem madagassischer Mentalität. Unsere 50!!! Studenten tanzen und singen mit faszinierender Begeisterung und Leidenschaft durch unser Wohnzimmer. Bei Kerzenlicht werden uns nacheinander aus verschiedenen Regionen Madagaskars traditionelle Lieder vorgeführt. Das rhythmisch erste Sahne abgestimmte Klatschen und Stampfen macht dabei jeder Dancehall- Baseline Konkurrenz. Nach Trinken und ausgiebigem Tanzen trollt sich der komplette Tross der geladenen Gäste ins 50m entfernte Tahiti, die einzige uns bekannte Disco von Antsirabe.

Dass in Madagaskar fast alles anders ist als bei uns, wissen wir mittlerweile, dass feiern und tanzen auch dazu gehört, wissen wir seit Freitag. Am ehesten kann man es wahrscheinlich mit einem Zumba-Intensivkurs im Fitnessstudio vergleichen. Anstatt wie bei uns lässig an der Bar lehnend zu ¾-Takten zu nicken, rocken sich die Madagassen zu im Zeitraffer laufender Musik ins Delirium. Am nächsten Morgen fühlen wir uns, als wären wir einen Marathon gelaufen, dennoch wird uns und auch unseren Studenten der Abend als äußerst gelungenes Event in Erinnerung bleiben.

 

Veluma und bis bald,

 

Anna, Tabea und Florian

11November
2014

Go West - unser erster Urlaub

Nach immerhin zwei Wochen Unterricht an der ESSVA stand letzte Woche unser erster Urlaub in Madagaskar auf der Agenda. Der frühe Zeitpunkt war natürlich nicht Unlust am Unterrichten sondern regionalen klimatischen Gegebenheiten geschuldet. Im Klartext: Bald regnet es hier aus Eimern und auf manchen Straßen im Westen geht nix mehr.

Auch ohne viel Regen mussten wir schon bei der Hinfahrt den Straßenverhältnissen Tribut zollen. Dank dem ein oder anderen Schlagloch geht unserem linken Hinterreifen leider die Puste aus. Zudem bemerkt unser Fahrer beim Reifenwechsel, dass der Ersatzreifen noch deutlich weniger Luft besitzt, weshalb wir auf der mit Schlaglöchern übersäten Straße mit einem halblebigen Reifen, dafür mit umso mehr Spaß weiterfahren.

Ansonsten führt die Fahrt durch beeindruckendes Hochland, unser Blick schweift über unglaubliche Weiten mit Reisfeldern, Wasserfällen, unzähligen Zebus und wie immer vielen Kindern, die begeistert mit dem Auto mitrennen und „Vazaha, Vazaha“ schreien.

Die nächsten drei Tage verbringen wir mit einem Motorboot auf dem Tsiribihina-Fluss, den wir ca. 150km Richtung Westküste entlang fahren. Etwas schockiert sind wir zunächst vom vorherrschenden Kräfteverhältnis auf dem Boot. 8:3 steht es für Besatzung + Guide gegenüber uns. Nichtsdestotrotz verbringen wir sehr schöne Tage mit der Crew. Abends wird am Feuer getrunken, getanzt und gesungen. Übrigens ein Erlebnis, dass uns kollektiv an unserer Erziehung zweifeln lässt. Während die Madagassen mit beeindruckender Musikalität und teilweise perfekt intoniert ein Lied nach dem anderen zum Besten geben, tun wir uns, vorsichtig ausgedrückt, etwas schwer. Lieder die wir alle drei kennen gibt es viele. Lieder von denen wir alle 3 halbwegs erträglich den Refrain und (vielleicht) eine Strophe können: Einige. Lieder die wir von Anfang bis Ende singen können: Lassen wir das...

Lagerfeuer mit unserer Bootscrew

Wir besuchen auf unserer Fahrt mehrere am Fluss liegende Dörfer, in denen wir (besonders Anna) von Kinderhorden begraben werden, aber auch einen Einblick in das Leben dieser Menschen bekommen.

  

Ansonsten ist unsere Bootsfahrt ein maximal entspannendes Erlebnis. Gutes Essen, eine tolle Landschaft, natürliche Pools, ein Wasserfall als Dusche, Übernachtung auf der Sandbank am Fluss mit unfassbarem Sonnenuntergang. Kurzum, nach drei Tagen ähneln wir im Spiegel halb Mensch, halb Faultier. Alleinig aus Gründen der Völkerverständigung bringen wir am Zielort unserer Bootscrew und einigen anderen Madagassen zum Abschied noch westliche Trinkspiele bei. Die Jungs sind hellauf begeistert, nach unserer Einschätzung könnte der ein oder andere jedoch am nächsten Morgen seine Meinung noch einmal überdacht haben ;)

Drinking Games ;)Unsere Lieblingsdusche Tsirihibina Fluss

Die weiteren Zielorte unserer Reise sind das Unesco Weltkulturerbe der Tsingy-Felsen und die berühmten Baobab-Baumriesen. Im Tsingy-Nationalpark machen wir eine faszinierende halbtägige Wanderung mit einer Mischung aus Klettersteigen, Höhlenpassagen und Dschungelpfaden inklusive Lemuren-Begegnung. Nach vier Stunden Leistungssport bei gut 30 Grad fallen wir gequälten Kreaturen erschöpft in den Pool unseres sehr schönen Hotels, das neben einem Dorf aus Stroh- und Lehmhütten jedoch sehr surreal und moralisch fragwürdig daher kommt und uns zu stundenlangen Diskussionen über „richtig“ konzipierten Tourismus in einem solch armen Land anregt.

Weißer Lemur Tsingy-Nationalpark Tsingy-NationalparkBaobabs c

Den Status als eigenständiges Highlight der Reise erkämpfte sich auch unser Transport zwischen den einzelnen Zielen. Unser grandioser Fahrer manövriert seinen Geländewagen geschickt durch hüfttiefe Gräben der aus Erde bestehenden Straße und findet auch dann zielsicher den Weg, wenn ein steckengebliebener LKW ihn zwingt, mehrere hundert Meter durch den umgebenden Busch zu fahren. Auch deutlich erschwerte Bedingungen bei der Überquerung eines breiten Fluss können uns zum Glück nicht aufhalten. Dank defektem Motor manövrieren einige Madagassen unser Fährboot nach der Stocherkahn-Methode über den dafür, aufgrund von Regenfällen, eigentlich zu schnell fließenden Fluss. Nachdem wir am Anfang deutlich abtreiben, kriegen wir in der Mitte des Flusses wortwörtlich die Kurve und die letzten 25 Meter fahren wir dank Allrad einfach durch das kniehohe Wasser.

Fähre

Da unsere organisierte Tour am Meer endet, sehen wir uns gezwungen, noch drei Nächte in Morondava am Strand zu verbringen. Das erweist sich als kluge Entscheidung, wir haben einen schönen Sandstrand komplett für uns allein, an dem wir Zeuge von sehr schicken Sonnenuntergängen werden. Den unfreiwilligen Nebeneffekt unseres Daseins als Sonnenanbeter bringt wohl am besten ein vorbeilaufender Fischer auf den Punkt, der uns humorvoll als „Vazahas tomate“ bezeichnet. Flo schält sich tatsächlich immer noch. Den Rest der Zeit machen wir eine Bootstour in ein Fischerdorf, schlürfen Kokosnüsse und speisen bei „Jean le Rasta“, der jedem Tisch zum Abendessen ein ungewöhnlich beruhigende Zigarette spendiert.

Sonnenuntergang in Morondava

Nach 8 Tagen „on the road“ beendet eine zehnstündige Fahrt nach Antsirabe mit einem bis oben bepackten Bus-Taxi letztendlich unsere Tour mit unvergesslichen Eindrücken und Erlebnissen. Bleiben werden Bilder eines wunderschönen Landes mit beeindruckenden Menschen sowie viele zum Nachdenken anregende positive wie weniger positive Eindrücke von Land, Leuten und unserer Rolle als Touristen.

 

 

28Oktober
2014

Fahrradfahren in Mada- Downhill- Dirtbiken mit dem Damenrad

Sehr geehrte Freunde des gepflegten Radsports,

Fahrradfahren in Madagaskar ist mitnichten mit einem gemütlichen Sonntagnachmittagsausflug ins Allgäu zu vergleichen. Zu Beginn unserer Tour hatten wir immerhin noch geteerte Straßen. Nach einem viertel der Strecke wurde daraus leider, leider nur noch Sand- und Staubpiste und nach einem weiteren Viertel kamen auch noch große und kleinere Steine dazu. Kurzum wir hatten Spaß mit unseren Damenrädern.

Nicht nur der Untergrund sondern auch die hohen Temperaturen und die staubige Luft erschwerten uns den Aufstieg. Unterwegs wurden wir immer wieder freundlich mit Salama („Wie geht’s?“) oder aber auch dem allgegenwärtigen Vazahaa (Fremder) begrüßt. Wir waren zwischenzeitlich so erledigt, dass wir bei einer Pause dringend eine Banane von einer Händlerin am Straßenrand kaufen mussten und sogar Tabea (allgemein als Bananenhasserin bekannt) lies sich davon überzeugen eine zu essen.

Der Ausblick über die wunderschöne Landschaft Madagaskars am Ende des Berges war die Anstrengung aber mehr als wert. Vor allem der zweite See war kristallklar und türkisblau und lag malerisch inmitten eines mit Kiefern bewachsenen Vulkankraters.

Der Rückweg über die holprige Steinpiste hinab hatte Ähnlichkeit mit einem Powerplate© Training. Am Ufer des ersten Sees, den wir am Vormittag bereits bewundert hatten, tranken wir zur Stärkung noch einen „Expresso- Lavazza“ und veranstalten eine mehr oder minder geglückte Wasserschlacht, wobei Anna ganz klar verlor (woran sie aber definitiv selbst Schuld war, da sie den „Krieg“ mit Flo und Tabea provoziert hatte…).

Insgesamt war es ein toller Ausflug, raus aus der Stadt- rein in die Natur.

Sidenote 1: Unsere Hintern tun weh.

Sidenote 2: Sind deshalb heute wieder mit dem Pousse-Pousse zur Uni gefahren.

Veluma,

Anna, Flo & Tabea

26Oktober
2014

Ein Wochenende voller Gegensätze

Seit Samstag sind wir glückliche Fahrradbesitzer. Es war eine lange und schwere Geburt bis dahin, aber unsere drei mehr oder weniger madagassische Straßen tauglichen Drahtesel sind ganz prächtig. Von Luxemburgern, die wir kennen gelernt haben, lassen wir uns eine Tour zu zwei Vulkanseen empfehlen und planen für Montag unseren ersten Ausflug ins Umland. Samstagnachmittag haben wir außerdem endlich unseren, wie wir finden mehr als verdienten (wir arbeiten immerhin schon seit einer Woche hier an der ESSVA), Urlaub gebucht.  Ab diesen Freitag werden wir zuerst mit einem Boot den Tsiribihina-Fluss hinunterschippern, danach die Tsingy besuchen und schließlich zur Avenue de Baobab fahren (Bilder und Berichte folgen natürlich!).

Die Freizeit wäre also geklärt bleibt nur noch die Frage, was wir gearbeitet haben. Anna und Tabea schreiben gerade an dem Theaterstück für dieses Jahr (es wird eine moderne Version der Cinderella inklusive einiger Musicalteile, da die Studenten der ESSVA so gerne singen) und Flo hat sich an eine detaillierte und systematische Unterrichtsvorbereitung für die kommenden Wochen gemacht.

Samstag, nach dem wir unseren Urlaub gebucht hatten, haben wir uns auf den Weg zu Antsirabes größtem Markt gemacht. Wir merken schnell, dass sich hierher normalerweise wirklich kein Weißer hin traut. Wenn wir vorbei laufen wird entweder getuschelt, oder das Gegenteil laut „Vazaha Vazaha!!“ [wasaa, wasaa](malg.: Fremder) geschrien. Vor allem für die Kinder sind wir eine Attraktion.
Auch wenn hier wie erwähnt nicht viele Weiße hinkommen, werden wir nach wie vor wie Dollarscheine auf zwei Beinen betrachtet. Die Madagassen versuchen regelmäßig von uns bis zu 10mal so hohe Preise zu verlangen, wie von Einheimischen. (Zwei Beispiele: Für eine handvoll Koriander bezahlen wir auf dem Markt 1.500 Ariary – im Supermarkt sehen wir später die gleiche Menge für 800. Und die wahrscheinlich beste und exemplarischste Situation, über die wir uns noch Stunden später lustig gemacht haben, war als ein Pousse-Pousse Fahrer ernsthaft 10.000 Ariary wollte, für eine Strecke, für welche wir normalerweise maximal 1.500 bezahlen.) Tabea wird aber nicht müde jeden noch so kleinen Preis zu verhandeln und ärgert sich bereits nach einer Woche in dieser Stadt über Vazaha, die für Pousse-Pousses 10.000 Ariary bezahlen, weil diese wie sie sagt „die Preise kaputt machen!“.

Die Menschen auf dem Markt scheinen zwar arm, aber immerhin so wohlhabend zu sein, dass sie ihre Ware auf dem Markt anbieten können. Im krassen Gegenteil dazu steht unsere Einladung zu Kaffee und Kuchen am Sonntagnachmittag. Wir haben das große Glück gehabt einen ehemaligen madagassischen Minister kennen zu lernen. Er, seine Frau und ihre beiden Töchter, haben uns am Sonntag in ihrem wunderschönen Haus zu (fast deutschem ) Karottenkuchen, gebackenen Bananen, frisch gepresstem Karottensaft und Kaffee bzw. Tee empfangen. Fast unwirklich erscheint uns diese Welt des madagassischen Wohlstands, wenn wir an den Vorabend auf dem Markt zurückdenken.

Bis bald, Veluma
Anna, Flo & Tabea