Berichte von 12/2014

13Dezember
2014

Kling Glöckchen Klingelingeling

Salama topko,

 

Sowohl in Deutschland als auch auf Madagaskar schreiben wir den dritten Advent und Weihnachten rückt unaufhaltsam näher. Dank meist circa 25 Grad und zumindest bisher keiner Spur von Schnee tun wir drei uns nachhaltig schwer zu begreifen, dass es tatsächlich mal wieder so weit sein soll.

Deshalb blieben wir auch misstrauisch, als uns der Studiengang HR (Hotellerie und Restauration) der ESSVA zu einem „Déjeuner sous le thème de Noël“ in das Restaurant der Uni eingeladen hatte.

Schon bald merken wir jedoch, dass vielleicht doch etwas dran ist an der angeblichen Vorweihnachtszeit. Stilecht empfangen uns die Studenten in rot-weißem Outfit, die gleichfarbige Zipfelmütze auf jedem Kopf räumt schließlich alle Zweifel aus: Wir sind tatsächlich bei einem waschechten Weihnachtsessen gelandet.

Drei sehr leckere Gänge später sind wir uns außerdem einig: Die Studenten können (trotz Stromausfall den halben Vormittag!) kochen. Vor allem die Entenbrust mit Beilage als Hauptgang hat es uns durchaus angetan. In diesem Sinne Danke an die Jungs und Mädels von HR!  

 

Die Tatsache, dass sich die stille und heilige Nacht in greifbarer Nähe befindet, bedeutet leider auch, dass sich unsere Zeit als Gastdozenten mit rasender Geschwindigkeit dem Ende nähert. Es liegen interessante und schöne Wochen als Professoren an der ESSVA hinter uns.

Mal eher spielerisch, mal ernsthaft haben wir versucht, den Studenten neue studienfachspezifische Vokabeln zu vermitteln und sie zudem dazu zu bewegen, so viel zu sprechen wie möglich. Dabei wurden teilweise anspruchsvolle Texte behandelt, aber auch dank Vokabel-Fussball mit viel Spaß der Wortschatz aufgemotzt.

An dieser Stelle auch ein großer Dank an Dreamworks, dank deren Kreativität wir die Möglichkeit hatten, mit circa 60 Studenten den heimlichen madagassischen Nationalfilm „Madagascar“ auf Englisch anzuschauen.

Auch die ein oder andere kleine Feierei mit unserern Studenten lassen wir uns nicht entgehen, der gemeinsame Clubbesuch war eindeutig ein Erfolgsmodell.

In der vergangenen Woche stand – back to serious – außerdem das diesjährige Kommissionstreffen der Stipendienvergabe an. Dank dem Förderverein „Zukunft Madagaskar“ werden jährlich ungefähr 60-70 Studenten an der ESSVA mit einem Stipendium gefördert was ihnen durch Abdeckung eines beträchtlichen Anteils der Studiengebühren das Studium an der ESSVA ermöglicht (weitere Infos zu Spendenmöglichkeiten und einer Mitgliedschaft: www.zukunft-madagaskar.de),. Diese Investition in Bildung bedeutet individuell eine unvergleichbare Chance auf einen gesicherten Lebensstandard und zudem können nur gut ausgebildete Köpfe dieses Land im Kollektiv voranbringen. 

Als Repräsentanten des Fördervereins vor Ort war es also unsere verantwortungsvolle Aufgabe, die zur Verfügung stehenden Gelder gemeinsam mit den Direktoren und Studiengangsverantwortlichen auf möglichst gerechte Art und Weise auf die Studenten zu verteilen. Dabei sind vor allem das Einkommen der Eltern, die Geschwisterzahl und die Note wichtige Kriterien. Allerdings wird jeder von 74 Fällen in unserer sechsstündigen Sitzung noch einmal individuell bewertet, weswegen wir letztendlich überzeugt sind, eine möglichst faire Verteilung erreicht zu haben.

Ansonsten läuft bei uns auf der Insel alles wunderbar und wir freuen uns auf eine weiterhin besinnliche Weihnachtszeit in der wir das Land noch weiter erkunden können.

 

Veluma und bis bald,

 

Anna, Tabea und Florian

02Dezember
2014

2 Organisationen - 1 Ziel: Ny Hary & Zukunft Madagaskar

Der Förderverein „Zukunft Madagaskar“ hat sich zum Ziel gesetzt, Studenten mit beschränkten finanziellen Mitteln durch die Vergabe von Stipendien ein Studium zu ermöglichen. Ein Teilprojekt dieser erfolgreich etablierten Förderung ist die Kooperation mit der „Ny Hary“ Organisation. Die 2004 von Stefan Büschelberger gegründete Organisation stellt Schülern aus ländlichen Familien und besonders armen Verhältnissen Wohnraum sowie vielfältig andere Unterstützung zur Verfügung. In einer gemeinsam arrangierten Kooperation werden seit 2012 jährlich zwei ehemalige „Ny Hary“ Schützlinge durch ein (Voll-)stipendium an der Universität ESSVA gefördert. Für die jungen Madagassen stellt dies eine großartige Chance dar, die sie mit großem Engagement und ehrgeizigen Zielen nutzen wollen.  

 

Um mehr über diese jungen Menschen und ihre Motivation zu erfahren, sowie im Fall der Fälle vor Ort Stellschrauben zur Problemlösung drehen zu können, hatten wir alle „Ny Hary“ Abgänger zu einem gemeinsamen Abendessen in unsere Wohnung eingeladen.

Bei dem traditionellen deutschen Gericht Spaghetti Bolognese sprechen wir in lockerer Atmosphäre über ihren familiären Hintergrund, ihre Motivation an der ESSVA zu studieren, sowie Ziele und Träume der Studenten.

Zwei Beispiele für die tolle Entwicklung der Stipendiaten sind unsere Gäste Rodin und David, die sich als erster Jahrgang der Kooperation aktuell in ihrem letzten Studienjahr und kurz vor ihrer Abschlussarbeit an der ESSVA befinden.

Als erste Geförderte der Kooperation zwischen „Ny Hary“ und dem Förderverein „Zukunft Madagaskar“ begannen sie im Oktober 2012 ihr Studium im Fach Gestion Management (BWL) mit den Fachrichtungen Rechnungswesen bzw. Marketing. Beide schlossen das erste Studienjahr als Jahrgangsbeste ab.

Große Zukunftspläne hegen ebenfalls beide. Während Rodin seine Zukunft in der Buchhaltung eines Unternehmens sieht, möchte David gerne eine eigene Fahrschule eröffnen. Die ESSVA half beiden dabei, Pläne zu schmieden und ihren Weg zu finden. Auch wir wünschen ihnen für ihr letztes Jahr an der ESSVA viel Glück und Erfolg und dass ihre Zukunftsvorstellungen in Erfüllung gehen werden.

 

Für uns war dieser gelungene Abend ein schönes und interessantes Event mit viel Spaß und gelungenem interkulturellem Austausch. Auch unsere Gäste zeigten sich sehr dankbar für die Einladung und unsere angebotene Unterstützung im Falle von Fragen und Problemen.

Zu beobachten, mit welcher Gewissenhaftigkeit und welcher Dankbarkeit für die eröffneten Chancen diese jungen Menschen ihr Studium bewältigen, zeigt uns einmal mehr, dass die Unterstützung dieser Madagassen eine tolle und wichtige Aufgabe ist, die nicht zu weit ausgebaut werden kann.