Berichte von 02/2015

08Februar
2015

Was bleibt? - Letzte Gedanken zu Madagaskar

Was bleibt von einer spannenden Zeit?

  

Wir weilen inzwischen schon 20 Tage nicht mehr auf Madagaskar und sind nach einer zweiwöchigen Südafrika-Rundreise wieder wohlbehalten im kalten Deutschland angekommen. Dennoch gibt’s noch ein letztes Mal, um die gewonnen Eindrücke Revue passieren zu lassen und zusammenzufassen, etwas von uns zu lesen.

Unsere frisch abgeschlossene Rundreise durch Südafrika, der kulturell und technologisch wohl westlichste und modernste Fleck Afrikas, lassen uns eine Tatsache noch einmal in aller Deutlichkeit klar werden:

Madagaskars Land und Leute sind eine einzigartige Erfahrung, die in puncto Andersartigkeit zu unserer westlichen Welt sicher nur wenige Konkurrenten auf dieser Erdkugel fürchten muss. Oder um es anders auszudrücken: Südafrika erschien uns in fast allen Belangen deutlich näher an Europa, als an dem Afrika, das wir in Madagaskar kennen lernen durften.

 

Was aber bleibt von der Erkenntnis, dass Madagaskar in jeder Hinsicht eine andere und fremde Welt zu sein scheint?

Zum einen wurde uns durch unseren Besuch unmissverständlich klar gemacht, in welch einer privilegierten Situation wir uns befinden. Aufgewachsen in einem Land, in dem Bildung, ärztliche Versorgung und ein hoher Lebensstandard in allen Belangen zu den alltäglichen Grunddisziplinen gehören. Ausgestattet mit der Chance auf Karriere und ein gesichertes Einkommen waren wir drei in der Lage, eine 3,5-monatige Reise zu weit entfernten Destinationen anzutreten – ohne, dass jemand von uns abseits von Nebenjobs und einer Ausbildung schon einmal ordentlich Geld verdient hätte. Die Absurdität dieser glücklichen Situation wurde uns in aller Deutlichkeit erst durch den krassen Gegensatz zu unseren Studenten bewusst. Fälle, in denen Eltern ihre Kinder nicht unterstützen können oder wollen, sind alles andere als die Ausnahme. Allein diese Erfahrung hat, so kitschig es klingen mag, eine große Dankbarkeit in uns hervorgerufen. Für die Chancen, die uns unser Heimatland, unsere Gesellschaft und vor allem auch unsere Eltern bieten können.

 

Kurzum, wir können uns glücklich schätzen. Vielleicht sogar glücklicher als die Madagassen? Sind wir glücklicher als die Madagassen? Fragen, die uns oft beschäftigt haben und auf die wir für uns die ebenso klischeebehaftete wie wahre Antwort gefunden haben, dass Geld allein eben doch nicht glücklich macht. Bewiesen durch unzählige arme, aber strahlende Madagassen, denen wir überall begegnet sind. Menschen, die fernab von dem Streben nach Luxusgütern mit den einfachen Dingen, die sie für das Leben brauchen, zufrieden sind. Spätestens nachdem wir auf einer Reise in einem spontanen Gesangs- und Tanzwettstreit mit unserer Bootsbesatzung kläglichst versagt hatten, wurde uns klar, dass wir in puncto Lebensfreude einiges von den Madagassen lernen können. Eine Erkenntnis, die zwangsläufig auch alle kategorisierenden Einteilungen in arm und reich sowie glücklich und unglücklich mit einem Paukenschlag in Frage stellt und die uns noch weit über unsere Zeit auf der Insel hinaus beschäftigen und prägen wird.

 

Die madagassische Lebensfreude und Gelassenheit in allen Dingen (das Landesmotto heißt „mora mora“, frei übersetzt: immer mit der Ruhe) steht in krassem Kontrast zu der hektischen, produktivitätsoptimierten und erfolgsorientierten Umwelt unserer kalten Breitengrade. Der allgemeinen Entspanntheit auf Madagaskar zur Folge lautet dort die wohl unwahrscheinlichste Diagnose „Burnout“ – fraglich, ob sich ein Madagasse unter diesem Krankheitsbild überhaupt etwas vorstellen kann... In der Tat sieht man selten gestresste Menschen und nach oben gezogene Mundwinkel sind deutlich weiter verbreitet als nach unten gezogene Augenbrauen. Sind wir also auf dem Holzweg in unserer westlichen Gesellschaft? Auch das haben wir diskutiert. Die Gegenargumente sind schnell gefunden und wurden im ersten Absatz ebendieser Ausführungen zum Teil schon erwähnt. Ein auf dieser Welt einzigartiger Standard in Sachen Bildung und Gesundheit, nicht zu vergessen ein soziales Solidaritätssystem, plus, kaum einer würde darauf freiwillig verzichten: Unterhaltungsgüter in allen denkbaren Facetten.

Doch geht es überhaupt um einen solchen plakativen Vergleich? Um richtig und falsch, um (und das ist nicht rassistisch gemeint) schwarz-weiß-Denken?

Auch wenn wir zwischenzeitlich gewagt haben, mit der Fremde und dem komplett anderen Leben eines solchen Landes zu liebäugeln, sind wir letztendlich sehr froh wieder in einem der lebenswertesten Länder dieses Planeten zurück zu sein.

Weil wir wahrscheinlich einfach in diese Welt gehören. Und dennoch haben wir einiges in unserem Wertesystem hinterfragt und werden bei so manchem Urteil in unserem Leben an die in diesem faszinierenden Land gewonnenen Erfahrungsschätze zurück denken. Denn von einer Sache sind wir auf jeden Fall überzeugt:

Ein bisschen mehr „mora mora“, Zufriedenheit mit den einfachen Dingen des Lebens sowie ein Lachen in den meistmöglichen Situationen könnte uns allen gut tun.

 

In diesem Sinne bedanken wir uns bei allen, die unseren Aufenthalt auf Madagaskar möglich gemacht haben, sowie bei den vielen anderen, die unser Abenteuer über diesen Blog oder andere Kanäle verfolgt und unterstützt haben. Wer die Arbeit des Fördervereins „Zukunft Madagaskar“ für richtig und unterstützenswert hält, den wollen wir noch einmal dazu anregen eine Mitgliedschaft einzugehen oder dem Verein mit einem einmaligen Beitrag die Möglichkeit zu geben, Bildung in diesem spannenden Land zu ermöglichen und zu fördern. 

(Weitere Infos: www.zukunft-madagaskar.de; https://www.betterplace.org/de/organisations/zukunft-madagaskar)

 

Wir können Madagaskar allen empfehlen, die auf ihrer Reise Erlebnisse fernab von infrastrukturell überlastetem Massentourismus suchen, oder die einfach nur ein wunderschönes Land sehen und erfahren möchten.

Ein letztes Veluma von uns, 

Anna, Tabea & Florian