26Oktober
2014

Ein Wochenende voller Gegensätze

Seit Samstag sind wir glückliche Fahrradbesitzer. Es war eine lange und schwere Geburt bis dahin, aber unsere drei mehr oder weniger madagassische Straßen tauglichen Drahtesel sind ganz prächtig. Von Luxemburgern, die wir kennen gelernt haben, lassen wir uns eine Tour zu zwei Vulkanseen empfehlen und planen für Montag unseren ersten Ausflug ins Umland. Samstagnachmittag haben wir außerdem endlich unseren, wie wir finden mehr als verdienten (wir arbeiten immerhin schon seit einer Woche hier an der ESSVA), Urlaub gebucht.  Ab diesen Freitag werden wir zuerst mit einem Boot den Tsiribihina-Fluss hinunterschippern, danach die Tsingy besuchen und schließlich zur Avenue de Baobab fahren (Bilder und Berichte folgen natürlich!).

Die Freizeit wäre also geklärt bleibt nur noch die Frage, was wir gearbeitet haben. Anna und Tabea schreiben gerade an dem Theaterstück für dieses Jahr (es wird eine moderne Version der Cinderella inklusive einiger Musicalteile, da die Studenten der ESSVA so gerne singen) und Flo hat sich an eine detaillierte und systematische Unterrichtsvorbereitung für die kommenden Wochen gemacht.

Samstag, nach dem wir unseren Urlaub gebucht hatten, haben wir uns auf den Weg zu Antsirabes größtem Markt gemacht. Wir merken schnell, dass sich hierher normalerweise wirklich kein Weißer hin traut. Wenn wir vorbei laufen wird entweder getuschelt, oder das Gegenteil laut „Vazaha Vazaha!!“ [wasaa, wasaa](malg.: Fremder) geschrien. Vor allem für die Kinder sind wir eine Attraktion.
Auch wenn hier wie erwähnt nicht viele Weiße hinkommen, werden wir nach wie vor wie Dollarscheine auf zwei Beinen betrachtet. Die Madagassen versuchen regelmäßig von uns bis zu 10mal so hohe Preise zu verlangen, wie von Einheimischen. (Zwei Beispiele: Für eine handvoll Koriander bezahlen wir auf dem Markt 1.500 Ariary – im Supermarkt sehen wir später die gleiche Menge für 800. Und die wahrscheinlich beste und exemplarischste Situation, über die wir uns noch Stunden später lustig gemacht haben, war als ein Pousse-Pousse Fahrer ernsthaft 10.000 Ariary wollte, für eine Strecke, für welche wir normalerweise maximal 1.500 bezahlen.) Tabea wird aber nicht müde jeden noch so kleinen Preis zu verhandeln und ärgert sich bereits nach einer Woche in dieser Stadt über Vazaha, die für Pousse-Pousses 10.000 Ariary bezahlen, weil diese wie sie sagt „die Preise kaputt machen!“.

Die Menschen auf dem Markt scheinen zwar arm, aber immerhin so wohlhabend zu sein, dass sie ihre Ware auf dem Markt anbieten können. Im krassen Gegenteil dazu steht unsere Einladung zu Kaffee und Kuchen am Sonntagnachmittag. Wir haben das große Glück gehabt einen ehemaligen madagassischen Minister kennen zu lernen. Er, seine Frau und ihre beiden Töchter, haben uns am Sonntag in ihrem wunderschönen Haus zu (fast deutschem ) Karottenkuchen, gebackenen Bananen, frisch gepresstem Karottensaft und Kaffee bzw. Tee empfangen. Fast unwirklich erscheint uns diese Welt des madagassischen Wohlstands, wenn wir an den Vorabend auf dem Markt zurückdenken.

Bis bald, Veluma
Anna, Flo & Tabea