07Januar
2015

Weil Kinder ein Zuhause brauchen...

Nachdem sich bei allen der ganze Weihnachts- und Silvesterrummel hoffentlich wieder gelegt hat, gibt es einmal wieder ein paar Neuigkeiten von uns Dreien aus Madagaskar. Auch wir haben den Jahreswechsel gut überlebt, am Strand und bei 30°C hielt sich der Rummel jedoch zum Glück in Grenzen.

Meer und Sonne sollen aber heute nicht das Thema sein. Deshalb: Themenwechsel, kleiner Zeitsprung, zurück zur Bildung.

 

In der Woche vor Weihnachten brechen wir mit dem Taxi-Bus zu einer Halbtagesreise in das zentrale Hochland westlich der Hauptstadt Antananarivo auf. Der Grund:

Wir wollen in der Kleinstadt Miarinarivo einen Landsmann treffen.

Wir besuchen Stefan Büschelberger, der seit 11 Jahren für Gymnasiasten der Region ein in jeder Hinsicht beeindruckendes Projekt auf die Beine gestellt hat.

In ländlichen Regionen Madagaskars einen Zugang zu höherer Schulbildung zu haben, stellt für viele Schüler dieses Landes eine besondere Herausforderung dar. Gymnasien gibt es nur in größeren Städten, für viele Jugendliche aus kleineren Dörfern besteht deshalb nur eine Möglichkeit: Umziehen.

Da das Geld jedoch meistens mehr als knapp ist, leben diese jungen Menschen in Konsequenz oft zu mehreren unter sehr armen Bedingungen zusammen. Gesicherte Mahlzeiten, medizinische Versorgung oder Bildungsbetreuung sind deshalb für die Meisten leider Wunschdenken.

Rund um diese Notsituation engagiert sich Stefan Büschelberger an allen Ecken und Enden. Zur Zeit bietet er circa 90 Schützlingen eine gesicherte Unterkunft und Schlafmöglichkeit, eine Ganztagesbetreuung und täglich drei Mahlzeiten. Zur mittäglichen Schülerspeisung empfängt er insgesamt sogar 300 Schüler.

Für alle diese Kinder stellt die Hilfe von Stefan eine essentielle Stütze dar. Einer sehr großen Zahl wird der Zugang zu höherer Schulbildung durch ihn erst ermöglicht, vielen weiteren wird er enorm erleichtert.

(Infos zu der Ny Hary Organisation von Stefan Büschelberger: www.ny-hary.org)

 

Wir haben das Glück, diese bewundernswerte Arbeit von Stefan und die daraus resultierenden Strukturen 2 Tage lang live mitzuerleben. Anna singt und tanzt mit einer Gruppe älterer Gymnasiasten, Tabea kommt auf einem Rundgang durch die Zimmer mit einigen Mädels ins Gespräch und Flo spielt mit einer Horde kleiner Jungs in Dreck und Regen Fußball. Kurzum, wir mischen uns munter unter die Schüler und werden Zeugen einer großen Dosis Lachen und Lebensfreude.

  

Abends essen wir zusammen mit den Jugendlichen aus riesigen Töpfen Reis mit Beilagen und nehmen als Tagesabschluss an der allabendlichen Andacht teil, bei der alle 90 Schüler zusammen beten, singen und außerdem organisatorische Dinge besprochen werden.

Besonders beeindruckt sind wir von der überall vorherrschenden Disziplin und Organisation der Kinder untereinander. Statt pubertierendem Gequengel helfen sich die Schüler gegenseitig mit allem was zu tun ist, dabei nehmen die Älteren sowohl eine Art Vorbildfunktion als auch eine Rolle als Verantwortungsperson ein. Nirgendswo erleben wir Streit oder Chaos, alles scheint reibungslos zu funktionieren: Weil es die Jugendlichen so wollen. Weil sie dankbar zu sein scheinen, Teil dieses tollen Projekts sein zu dürfen. Jeder einzelne scheint sich seines Privilegs bewusst zu sein, es herrscht von klein bis fast erwachsen eine ungemeine Wertschätzung der Hilfe, die ihnen zuteil wird.

 

Die Zeit, die wir mit Stefan und den Kindern bei der Ny Hary Organisation verbracht haben, bestärkt uns erneut in der Ansicht, dass die bestehende Kooperation von NyHary mit Zukunft Madagaskar eine wertvolles Element unseres Fördervereins darstellt. Dank der Kooperation kann jährlich zwei von diesen tollen, dankbaren und motivierten jungen Menschen ein Vollstipendium für ein Studium an der Universität ESSVA in Antsirabe ermöglicht werden.

(Weitere Infos zur Kooperation unter www.zukunft-madagaskar.de)

 

Wir danken und gratulieren Stefan Büschelberger zu diesem in unseren Augen menschlich grandiosen Projekt, dass er trotz privater und geschäftlicher Steine in seinem Weg mit unvergleichlichem Herzblut und Engagement auf die Beine gestellt hat. Eine kleine Scheibe kann sich vielleicht jeder von seiner Einstellung abschneiden, wenn er sagt: „Ich ärgere mich nicht über das was andere versäumen zu tun, sondern helfe da wo ich kann, mit allem was ich habe.“

Auch erklärt er in einem anderen Gespräch, dass er sich nichts Sinnvolleres als dieses Projekt für sein Leben vorstellen könnte. Nachdem wir die Blicke in den Augen der glücklichen und zufriedenen Kinder bei einer seiner Ansprachen gesehen haben, können wir das sehr gut nachvollziehen.